“Nein, durften Sie nicht.” Ein offener Brief.

Liebe Hundehalterfreunde und Hunde-einfachnurso-freunde,

was ist denn bitte so schwierig daran, einen Hund, der einem nicht selbst gehört, nicht einfach mit Leckerlis zu versorgen – insbesondere wenn der eigentliche Halter vorher explizit darum bittet?

Es ist ja nicht so, als würde sich der Hund nicht auch so über euch freuen. Besonders meiner freut sich ganz ungemein über die Zuwendung von netten fremden Menschen, auch wenn diese gerade nicht eine ganze Tagesration Hundekekse in der Tasche haben, die sie unbedingt irgendwo los werden wollen.
Es ist übrigens auch nicht so, als würden wir euch oder dem Hund den Spaß nicht gönnen.

Es ist nur so, dass in den meisten Fällen schon ein Sinn dahinter steckt, wenn jemand darum bittet, dem vernachlässigten, ausgehungerten Vierbeiner(tm) kein Schmacko zu überreichen.

“Ich durfte ihm doch was geben, oder?”
Nein, durften Sie nicht. Und jetzt holen Sie es bitte wieder raus!

Es gibt Hunde, die äußerst empfindlich auf bestimmte Inhaltsstoffe reagieren können. Das mag nur ein kleiner Teil sein und es ist ja auch “nur ein Keks” oder zwei, aber – weiß man es? Und wer hat am Ende den Rotz auf dem Teppich und zahlt die Tierarztrechnung?

Es gibt Hunde, die ab sofort anfangen, bei jedem netten fremden Menschen auszuflippen und zu betteln und zu nerven. Hat letztes Mal ja schließlich auch geklappt. Außerdem sind die Kekse von Frau Holle viel leckerer als die eigenen.

Es gibt Hunde, die merken sich ihre zuverlässigen Keksquellen sehr genau und freuen sich noch viel mehr über die entsprechenden Menschen, als sie es schon vorher getan haben. Eines Tages laufen sie einem dann mit gefühlten 350 km/h die Einfahrt runter und blind über die Straße. Der Keksmann war ja wieder draußen!

Was auch immer es für Gründe sein mögen, es SIND genug Gründe vorhanden. Es gibt Situationen, die man als Hundehalter erkennt, als Nicht-Hundehalter nicht – und gegen die man systematisch versucht vorzugehen. Es nützt einem dann aber ein Einkaufswagen voll Konsequenz und Erziehungstaktik überhaupt nichts, wenn jemand daher kommt und den Hund für ein unerwünschtes Verhalten (“wie niedlich!”) mit einem leckeren Keks belohnt. Ja, es ist wahr! Ein Keks kann wochenlange Arbeit unter Umständen in nur einer Sekunde wieder zerstören.

Selbst wenn man mal von erzieherischen Hintergründen absieht…
Geht ihr in der Fußgängerzone eigentlich auch zu x-beliebigen Kindern und steckt ihnen  ungefragt Lutscher oder Schokolade in den Mund?

Mein Hund bekommt, auch wenn er euch unter Garantie etwas anderes erzählen wird, wirklich ausreichend Kekse und andere Hundeleckerlis – sowohl zwischendurch als auch als Belohnung. Natürlich auch nicht nur von mir, unter bestimmten Gegebenheiten.

Aber wenn ich das nächste Mal darum bitte, meinem Hund nichts zu geben, hätte ich wirklich gerne, dass nicht 5 Sekunden später “was zu schnappen” durch die Luft fliegt.