DNA-Test für Mischlingshunde

Wie oft schaut man seinem Senfhund ins Gesicht und wüsste zu gerne, was an dieser niedlichen Fellnase wohl wirklich mitgewirkt haben mag.
Nach nun über 6 Jahren an meiner Seite kann ich mit ziemlicher Genauigkeit sagen, dass Chili kein reinrassiger Labrador ist, wie ursprünglich vom Tierheim angenommen. Sie ist schwarz, sie hat Schlappohren, sie mag Wasser, sie staubsaugt Krümel, ja – verglichen mit zahlreichen anderen Labis und basierend auf eigenen Beobachtungen schleicht sich aber immer wieder das Bild eines zufällig schwarz gefärbten, schnittigen Vorstehhundes in den Kopf. Und vielleicht ist das nicht mal richtig. Vielleicht ist Dalmatiner dabei, vielleicht etwas ganz anderes?

[Neugierig auf das Ergebnis? Wir haben den Test mittlerweile machen lassen!]

Mittlerweile kann man mit DNA-Tests für Hunde Hundemischlinge auf ihre Rassen prüfen lassen. Über eine Speichelprobe wird angeblich das große Geheimnis um die im Mix enthaltenen Hunderassen gelüftet, wissenschaftlich fundiert und zuverlässig.
Für diese Tests gibt es verschiedene Anbieter, bei allen beläuft sich der Preis scheinbar auf relativ erträgliche ~90 EUR, Zertifikat inklusive:

Vorteile soll es laut all diesen Websites ja viele geben.
Man weiß nun, auf welche Charaktereigenschaften der spezifischen Hunde-Rassen man sich einstellen muss. Man kann Gesundheitsrisiken besser erkennen und vorbeugen bzw. entgegenwirken. Man kann vor allem – und das ist doch eigentlich der Hauptgrund für diese Tests – seine eigene Neugier stillen und endlich sagen: Mein Hund ist das, wonach er aussieht (oder auch nicht)!

Muss man das denn über seinen Hund sagen können?

Kann man sich denn tatsächlich besser auf seinen Hund einstellen, wenn man weiß, welche Rassen vertreten sind?
Die meisten Mischlings-Hunde, bei denen man gar nicht weiß, was mitgemischt hat, kommen vermutlich aus dem Tierschutz. Bevor es da ein Testergebnis gibt, das durchaus einige Wochen auf sich warten lässt, hat man sich schon längst (es ist zumindest empfehlenswert) mit bestimmten Charaktereigenschaften arrangiert.
Nach Erhalt des Zertifikats schwatzt man dem Hund möglicherweise sogar Eigenschaften auf, die er eigentlich gar nicht hat. Du bist ein Hütehund! Du musst doch hüten wollen! Auch bei eventuell rassebedingten Krankheiten, die mein Hund schon hat, nützt es mir eigentlich nichts zu wissen, von wem er sie letztlich hat. Und ob das überhaupt so ist, kann mir auch niemand beantworten. Ebenso nicht, ob er jemals unter einer von diesen Krankheiten leiden wird, wenn ich nichts “vorbeugendes” unternehme.

Jeder Hund, vor allem jeder Mischlingshund und ganz besonders ein möglicher Second-Hand-Hund, der bereits ein Leben gelebt hat, ist so individuell, dass ein Zertifikat wohl kaum etwas am Zusammenleben mit ihm ändern wird.
Entweder, ich stelle mich auf seine ganz eigenen charakterlichen Eigenschaften ein oder ich überdenke mein Hundehalterdasein.

Das sinnvollste Argument für einen solchen Hunde-DNA-Test scheint mir also die Tatsache zu sein, dass mein Hund danach nachweislich kein sogenannter Listenhund oder “Kampfhund” ist (oder eben doch) und mir bzgl. Hundehaftpflicht-Versicherungen und der politischen Hatz auf bestimmte Hunderassen keine Steine in den Weg gelegt werden können (oder gerade dann).

Ein großes Problem besteht allerdings darin, dass derzeit nur an die 66 Hunderassen überhaupt in den DNA-Datenbanken vertreten sind.

Stammt mein Hund von einer Rasse ab, von der noch keinerlei Daten vorliegen, wird er der Hunderasse zugeordnet, die der tatsächlichen am ähnlichsten ist.

Die Rasseliste soll zwar 80% der in Deutschland vorkommenden Rassen abdecken und 90% der Mischlingshunde zuverlässig zuordnen können, letztlich ist der ganze Test doch trotzdem nur eine Spielerei.

Endgültig wird man nicht sagen können, was da vor uns sitzt und uns ohne Umwege um einen Keks bittet. Und letztendlich ist es sowieso egal.

Hund ist Hund und Hunde sind Liebe.


Schnupper doch auch mal hier...