Es ist kein wirklich neues Buch, mir aber erst vor kurzem in die Hände gefallen: “Calming Signals – Die Beschwichtigungssignale der Hunde“, verfasst von der norwegischen Hundetrainerin Turid Rugaas.
Ich möchte es an dieser Stelle deshalb empfehlen, weil ich bei tagtäglichen Hundebegegnungen immer wieder erstaunt und manchmal auch recht enttäuscht darüber bin, wie wenig bis gar nicht manche Hundehalter ihren Hund “lesen” und verstehen können. Natürlich ist von niemandem zu erwarten, dass er eine ganze wissenschaftliche Abhandlung über Hundeverhalten vortragen kann. Ein paar Legenden halten sich für meinen Geschmack aber einfach viel zu hartnäckig, selbst bei denen, die sich immerhin ein bisschen für das Thema Hundesprache interessieren.
“Der will nichts böses, er wedelt doch mit dem Schwanz!”
Schwanzwedeln kann situationsbedingt vieles ausdrücken – Freude, Aufregung, auch Stress. Wenn ein Hund sich vor einem anderen aufbaut, ihn fixiert, vielleicht sogar brummelt und dann mit dem Schwanz wedelt, kann man ziemlich sicher davon ausgehen, dass er es nicht aus reiner Nächstenliebe tut.
“Schau mal, er gähnt. Er ist bestimmt müde.”
Wahrscheinlich der zweitbeliebteste Mythos im Hundehalter-Alltag – es sieht ja auch immer so niedlich aus. Trotzdem gähnen Hunde nicht nur aus Müdigkeit, sondern viel häufiger als Beschwichtigung, als Übersprunghandlung oder vor Aufregung.
Die Liste der Missinterpretationen ist lang. Die Welt unserer Hunde besteht zum größten Teil aus Körpersprache und sie bedienen sich dieser für gewöhnlich andauernd. Diese Signale richtig zu verstehen macht viele Situationen zwischen Mensch und Hund sowie zwischen Hund und Hund viel einfacher. Teilweise kann man sie bewusst selbst einsetzen, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen. Einen guten Anfang macht in der Hinsicht das hier vorgestellte Buch – Anfang deshalb, weil es hier nur um sogenannte Beschwichtigungssignale geht.
Beschwichtigungssignale oder “calming signals” (englisch: calm = ruhig) sind ein sehr wichtiger Bestandteil in der Kommunikation unserer Hunde. Sie sind von Natur aus sehr soziale Tiere, die nicht auf Rangeleien und Ärger aus sind – was wäre das auch für eine Energieverschwendung. Vielmehr teilen sie ihre guten Absichten mit, bevor es überhaupt zu einem ernsten Konflikt kommen kann.
Turid Rugaas berichtet recht ausführlich über ihre Erfahrungen und Beobachtungen, die sie über 20 Jahre lang an ihren eigenen und zahlreichen fremden Hunden sammeln konnte. Das macht es natürlich zu einem eher subjektiven und weniger zu einem wissenschaftlichen Buch, allerdings verstehe ich das Problem nicht, das manche Leser damit scheinbar haben. Es gibt es für jede Beobachtung meist mehrere Beispiele – und Verhaltensforschung ist immer nur genaueste Beobachtung. Weiterhin liest sich das Buch durch diesen Umstand viel leichter als so manch anderer trockener Stoff.
Natürlich macht die Autorin sich es stellenweise etwas einfach und interpretiert einige Signale (z.B. das Lecken der Schnauze) ein wenig zu pauschal. Genau wie das Schwanzwedeln auch ein Ausdruck von Freude sein kann, ist es nicht ausnahmslos immer ein Beschwichtigungs-Signal, wenn der Hund sich über die Schnauze leckt.
Letztlich kann und sollte man aus allem aber seine eigenen Schlüsse ziehen und das Buch sehr gut als Anreiz nehmen, seinen eigenen vierbeinigen Begleiter genauer zu beobachten und einige Anregungen selbst auszuprobieren.
Es ist hochinteressant, wie man die Dinge plötzlich wahrnimmt – und diese Erfahrung kann ich jedem nur empfehlen.

